Andacht zur Karwoche

ANDACHT ZU KARSAMSTAG

UNSER DUNKEL -GOTTES DUNKEL

„…mitten im Frühling“ (ergänzt von BTS)

Weihnachten feiern wir das Licht –mitten im Winter. Die Karwoche richtet unseren Blick auf das Dunkle. Auf Unerlöstes –mitten im Frühling. Ein wenig beachteter aber durchaus wichtiger Tag in der Karwoche ist der Karsamstag. Dieser Tag wird so schnell übergangen, dass wir die Tiefe seiner Bedeutung kaum mehr erkennen. Dieser Tag verkörpert den Moment tiefster Verlorenheit und die Abwesenheit von Hoffnung.

Das erfahren wir auch in unserer Beratung. Menschen kommen zu uns, die in Ihrer Dunkelheit keine Hoffnung, keine Perspektive, kein Morgen sehen. Diese Zeit auszuhalten fällt sehr schwer – es ist eine Herausforderung auch für uns Berater.

So wie der Psalm 88, in dem das Dunkle verharrt und keine Wendung zum Leben mehr findet.

Psalm 88 2 – 8 und 15 – 19.

  • Wenn alles zerrissen ist und nur Scherben vor mir liegen.
  • Wenn die Diagnose ausgesprochen ist und mein Leben wankt.
  • Wenn meine Arbeit voller Mühen ist und die Kraft nicht mehr reicht, sie zu   bewältigen.
  • Wenn die Flucht gelungen ist und das Leben trotzdem nicht Fuß fassen darf.

GOTT macht sich all das zu eigen. Kommt hinein. Hält mit aus.

  • Die innere Katastrophe.
  • Die Gegenwart des Todes und seiner Vorboten.
  • Die Zumutungen und Ungerechtigkeiten, die Menschen durch anderen Menschen erleben müssen.

Dort, in diesem unfassbaren Dunkel setzt sich GOTT neben uns. Dieser GOTT, der doch Hoffnung ist und Licht, der das Leben ist und für ein besseres Morgen steht. Dieser GOTT lässt alles, was ihn ausmacht, los, um uns da nah sein zu können, wo all das gerade nicht ist.

GOTT teilt unsere totale Verlassenheit, unser Ausgeliefertsein, unsere Hoffnungslosigkeit. GOTT folgt uns dahin, wohin uns niemand sonst folgen kann und mag. So sehr liebt GOTT diese unsere Welt. GOTT verzichtet auf den magischen Handstreich, dass sofort oder überhaupt alles gut wird.

  • GOTT nimmt uns die geistliche Pflicht, trotz allem immer Mut und Hoffnung bewahren zu müssen.
  • GOTT kommt einfach zu uns ins Elend. Dieser GOTT setzt sich neben mich und hält mit mir aus. GOTT ist da. Ich bin eingeladen, mich anzulehnen.

Gott selbst hat sich verwundbar gemacht am Kreuz und ist ganz tief hinabgestiegen – in das Reich des Todes. Aber es bleibt nicht bei der letzten Endstation Tod. Durch die Auferstehung von Jesus an Ostern hat das Leben gesiegt.

Karfreitag und Karsamstag verkörpern Schmerz, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit. Wenn wir diese Tage aber durch- und aushalten, kommt der Ostermorgen, der wieder neues Leben möglich macht und Schmerz und Verzweiflung in Freude verwandelt und uns neue Hoffnung schenkt. Das gilt nicht nur an Ostern, sondern in allen Lebenssituationen und an jedem Tag. Schauen wir also voll Freude und Hoffnung auf Ostern und lassen uns nicht bange machen von den Schwierigkeiten und Sorgen, die da Leben mit sich bringt.

Auszug aus einer Andacht von Dina Maria Dierssen, Diakonin und Geschäftsführerin EFW

 Quelle: https://www.frauen-efw.de/fileadmin/Dokumente_Bilder_pdfs/Andachten_zum_Download/Andacht_zur_Karwoche.pdf

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